Der Vater Fridolin Weber

Fridolin Weber II. im Geschichtsbild der Stadt Zell im Wiesental

Die Beziehungen Fridolin Weber II. zum Hause von Schönau, sollten sich noch weitaus spannungsgeladener und dramatischer entwickeln als die seines Vaters. Er wurde 1733 in Zell im Wiesental geboren und war der Onkel von Carl Maria von Weber und Schwiegervater Mozarts. Nach den Auseinandersetzungen und dem Vergleich mit seinem Vater war Franz Ignaz Ludwig von Schönau zum Schuldner seines eigenen Amtsmannes geworden. Er hatte demnach allen Grund, sich der Familie Weber gegenüber erkenntlich zu zeigen, was er auch tat, indem er den erst 21 jährigen Fridolin Weber II. 1754 als schönauischen Amtmann in der Herrschaft Zell einsetzte.Bald danach am 14. September 1756 heiratete er die aus Mannheim stammende Cäcilia Stamm, geboren am 23. Oktober 1727 in Mannheim, gestorben am 22. August 1793 in Wien. Es war wohl ein sehr seltsames Dienstverhältnis das Fridolin Weber II. mit seinem Dienstherrn hatte. Schuldete dieser doch dem Vater Weber und damit seinen Erben und nunmehrigen Amtsmann inclusive Zinsen 4700 Gulden. Der Baron war ohnehin tief verschuldet. Schon im September 1756 ließ er sich von seinem Zeller Amtsmann 239 Gulden und 48 Kreuzer geben, mit der Maßgabe, das Geld nicht in Rechnung zu stellen, sondern über die Zeller Gefälle hereinzuholen. Bald erhielt er auf dieselbe Art wieder 50 Gulden. Es ging nicht lange bis der Baron mit rund 1000 Gulden beim Zeller Amtsmann Fridolin Weber II. in der Kreide stand. Rückzahlungen erhielt Weber keine. Was blieb ihm anderes übrig, als zu tun was ihn sein Herr geheißen hatte, nämlich die Buchhaltung zu “verblümeln”, dass er sich an den in Zell eingegangenen Gefällen schadlos halten konnte. Das paßte dem Freiherrn wieder nicht. Er schröpfte seinen Amtsmann hinsichtlicher zustehender Taxen, Reisespesen und vieler anderer Dinge so eingehend, dass Weber langsam aber sicher selbst in Not geriet. Weber beging nun den verhängnisvollen Fehler, es an einer geordneten Buchführung fehlen zu lassen. Es kam so weit, dass entgegen bestehender Vorschriften der Sekretär des Barons, Brenzinger, der Weibel, der Talvogt Meinrad Monfort oder der Geschworene Johann Durst ohne Wissen des Amtsmannes Gelder einzogen und an den Freiherrn weiterleiteten. Aufgrund der geschwächten Position des Amtmannes gab es weitere Wirrungen. Der Baron enthob Weber kurzerhand mit einem Schreiben vom 30. Juli 1763 seines Amtes, mit der Begründung: “Er habe seine Herrschaft hintergangen, betrogen sowie pflichtvergessen und treulos gehandelt.” Innerhalb von sechs Wochen habe er die Herrschaft zu verlassen, widrigenfalls er Gefahr laufe, dass seine saubere Aufführung der ganzen Welt offenbar würde. Weber, so der Freiherr, “würde daher gut tun, die Sache in der Stille bewenden zu lassen und gegebenorts zu sagen, dass er sein Amt freiwillig niedergelegt habe. In diesem Falle würde er, der Baron, keine Mühe sparen, ihm zu einer neuen Stellung zu verhelfen”. Die damit geheuchelte Gnade verhüllte nur mangelhaft das schlechte Gewissen und die schlimmen Absichten des Barons und seiner Anhänger. Die Entlassung aus dem Amt traf Weber vor allem deshalb sehr schwer, weil seine Frau einer Niederkunft entgegen sah. Er versuchte deshalb, sich mit seinem Herrn außergerichtlich zu einigen, was fruchtlos verlief. Am 1. August 1763 ließ der Baron seinen bisherigen Sekretär Konrad Brenzinger als Amtmann von Zell verkünden. Weber erwirkte bei der Priminstanz, einer östreichischen Gerichtseinrichtung in Freiburg, dass er in der Amtswohnung verbleiben durfte. Die Querelen nahmen für ihn jedoch kein Ende. Die Gelder für die rechtmäßig an Weber verpfändeten Lehensgefälle gingen nicht ein. Er klagte bei der Priminstanz. Der Prozess zog sich hin. Seine Familie geriet in bittere Not. In diese turbulente Zeit fallen die ersten 1 – 2 Jahre von Constanze. Es rächte sich jetzt, dass Weber auf die Anweisungen des Barons wegen “Verblümelms” von Schuldzahlungen ein-gegangen war. Es wurden Fehler und Mängel nachgewiesen. Im Juni 1764 endeten die Gerichtsverhandlungen mit einem seltsamen Vergleich.
Fridolin Weber II. und Baron Franz Ignaz Ludwig von Schönau verzichteten auf die Fortführung des Prozesses. Die Entlassung wurde zurückgenommen. Weber verzichtete freiwillig auf das Amt und bezeichnete das jetzige Abkommen als beiderseitige freundschaftliche Aufkündigung. Der Baron war sogar bereit, Weber ein vorzügliches Zeugnis für seine pflichtgemäße und treue Amtsführung auszustellen. Allem Anschein nach ein Vergleich, der zu Lasten des Freiherrn ging, wobei Weber aus seiner Notsituation heraus gute Miene zum bösen Spiel machte. Fridolin Weber II. zog nun mit seiner Familie nach Mannheim, wo seine von dort stammende Frau nähere Beziehungen hatte. Er wirkte dort als Bassist, Souffleur und Notenkopist. Weber übersiedelte 1778 nach München und ein Jahr später nach Wien. Am 23. Oktober 1779 erlag er einem Schlaganfall in Wien.